Albanien im Zweiten Weltkrieg: Besatzung, Widerstand und Befreiung
Am 7. April 1939 besetzte Italien Albanien, 1943 folgte Deutschland. Wie sich der Widerstand spaltete und warum das Land Ende November 1944 an die Kommunisten fiel.

Der Zweite Weltkrieg erreichte Albanien früher als die meisten Länder Europas: Am 7. April 1939 besetzte das faschistische Italien das Land. Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 trat das nationalsozialistische Deutschland an seine Stelle. Der Widerstand zerfiel in ein kommunistisches und ein nationalistisches Lager. Ende November 1944 war das Land befreit, und die Macht ging an die Kommunisten über.
Dies ist das sechste Kapitel unseres Leitfadens zur Geschichte Albaniens. Es umfasst die Zeit von der italienischen Invasion bis zur Befreiung 1944.
Die italienische Invasion 1939
Am 7. April 1939 landeten italienische Truppen unter General Alfredo Guzzoni gleichzeitig in Durrës, Vlora, Shëngjin und Saranda. Einen Tag später marschierten sie in Tirana ein. König Zogu floh nach Griechenland, und Albanien verlor für Jahre seine Unabhängigkeit.
In Durrës leistete der Marineunteroffizier Mujo Ulqinaku Widerstand. Er fiel durch eine Granate, die ein italienisches Schiff abgefeuert hatte. Zogu verließ das Land mit Königin Geraldine und seinem Sohn Leka und nahm einen Teil des Goldes der Nationalbank mit. Am 12. April beschloss eine Versammlung in Tirana eine Personalunion mit Italien und bot König Viktor Emanuel III. die Krone an. An die Spitze der Kollaborationsregierung trat Shefqet Vërlaci, der größte Grundbesitzer des Landes.
Faktisch wurde Albanien zu einer italienischen Provinz. Alle Schaltstellen der Macht lagen in italienischer Hand, und die Besatzer wollten das gesamte Leben im Land nach faschistischem Muster ausrichten, auch die Schule. Als Italien im Oktober 1940 Griechenland angriff, „erklärte“ auch Albanien Griechenland den Krieg. Die in die italienische Armee eingezogenen Albaner desertierten jedoch in großer Zahl.
Widerstand: Kommunisten und Nationalisten
Der Widerstand regte sich fast sofort: mit Demonstrationen, Flugblättern, Sabotage und bewaffneten Freischärlergruppen, den çeta („Trupps“). Bis 1942 bildeten sich zwei Hauptbewegungen heraus: die Nationale Befreiungsbewegung, in der die Kommunisten zunehmend den Ton angaben, und der nationalistische Balli Kombëtar.
Die einzelnen Lager starteten unter ungleichen Voraussetzungen. Den Anhängern Zogus schadete, dass der König den Widerstand nicht selbst anführte. Die Nationalisten waren schlecht organisiert. Die Kommunisten dagegen schlossen sich nach dem deutschen Angriff auf die UdSSR 1941 rasch zusammen. Ebenfalls 1941 verübte der junge Antifaschist Vasil Laçi in Tirana ein Attentat auf Viktor Emanuel III., der die Stadt besuchte.
Die Kommunistische Partei und Peza
Im November 1941 wurde in Tirana die Kommunistische Partei Albaniens gegründet. Sie zählte etwa 130 Mitglieder, an ihrer Spitze stand Enver Hoxha. Als Ziele nannte sie die Befreiung des Landes, die Wiederherstellung der Unabhängigkeit und eine demokratische Ordnung. Erreichen wollte sie das mit einer antifaschistischen Front und einem bewaffneten Aufstand.
Am 16. September 1942 fand im Haus von Myslym Peza die Konferenz von Peza statt. Dort entstand die Nationale Befreiungsbewegung mit einem Netz nationaler Befreiungsräte, die in den befreiten Gebieten zu Organen der Macht wurden. An der Konferenz nahmen neben den Kommunisten auch Nationalisten teil: Abaz Kupi, Myslym Peza und Baba Faja Martaneshi. Vom 17. bis 22. März 1943 tagte in Labinot die Erste Landeskonferenz der Kommunistischen Partei. Im Juli wurde der Generalstab der Nationalen Befreiungsarmee gebildet. Oberbefehlshaber wurde Spiro Moisiu, Politkommissar Enver Hoxha.
Balli Kombëtar. Den Balli Kombëtar („Nationale Front“) gründeten Midhat Frashëri und Ali Këlcyra im Herbst 1942. Sein Programm, der „Dekalog“, propagierte ein ethnisches, demokratisches Albanien. Die Bewegung vereinte Nationalisten mit überwiegend republikanischen und antikommunistischen Ansichten und wandte sich anfangs gegen die italienische Besatzung. Innerhalb der Bewegung gab es zwei Strömungen: Die einen wollten die Besatzer aktiv bekämpfen, die anderen auf den „richtigen Moment“ warten, also auf eine Landung der Alliierten auf dem Balkan.
Mukje: das gescheiterte Bündnis. Im August 1943 vereinbarten Vertreter der Nationalen Befreiungsbewegung und des Balli Kombëtar in Mukje, ein Komitee zur Rettung Albaniens zu bilden. Über die Kosovo-Frage sollte eine Volksabstimmung entscheiden. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei lehnte die Vereinbarung jedoch ab, wobei auch die jugoslawischen Kommunisten Einfluss nahmen, und die Spaltung vertiefte sich. Die Anhänger Zogus verließen die Nationale Befreiungsfront und gründeten unter Abaz Kupi die Bewegung Legaliteti. Unter den Albanern brach ein Bürgerkrieg aus.
Deutsche Besatzung 1943–1944
Am 8. September 1943 kapitulierte Italien, und das nationalsozialistische Deutschland besetzte Albanien. Ein Teil der deutschen Truppen war bereits im Juli ins Land gekommen, die Hauptmacht folgte im September 1943. Deutschland wollte das Machtvakuum nach dem Abzug der Italiener füllen, die Straßen kontrollieren und die Küste gegen eine mögliche Landung der Alliierten sichern.
Die Deutschen versprachen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten einzumischen, und stützten sich auf eine albanische Verwaltung. Als Staatsoberhaupt fungierte ein Hoher Regentschaftsrat unter Mehdi Frashëri. Zu den führenden Köpfen gehörte Rexhep Mitrovica. Die Besatzer spielten mit der Idee eines „Großalbaniens“ und betonten, ihre Anwesenheit sei nur „vorübergehend“ und die unter ihrem Schutz ausgerufene „Unabhängigkeit“ echt. Die Souveränität des Landes blieb jedoch begrenzt.
Das Regime war brutal. Am 4. Februar 1944 töteten Polizeieinheiten des Innenministers Xhafer Deva in Tirana mehrere Dutzend Einwohner, die verdächtigt wurden, Antifaschisten zu sein. Im Winter 1943–1944 führten deutsche Truppen die sogenannte Winteroperation durch, die die Partisanen vernichten sollte, und überzogen dabei die Zivilbevölkerung mit Terror. Die Partisanen überlebten und gingen zur Gegenoffensive über. Im Mai und Juni 1944 folgte die Juni-Operation, bei der deutsche Truppen gemeinsam mit der Gendarmerie und Einheiten des Balli gegen die Partisanen vorgingen. Die ganze Zeit über waren britische Militärmissionen bei den Widerstandskräften im Einsatz.
Die Rettung der Juden
Albanien ist eines der wenigen Länder Europas, in denen bei Kriegsende mehr Juden lebten als vor dem Krieg: Anfangs waren es etwa 200, am Ende etwa 1800, denn Albaner retteten auch Flüchtlinge aus anderen Ländern.

Während der deutschen Besatzung weigerten sich Albaner, den Deutschen Listen der Juden auszuhändigen. Sie versteckten jüdische Familien und versorgten sie mit falschen Papieren. Dieses Verhalten wird mit der besa („Ehrenwort“) in Verbindung gebracht, dem albanischen Ehrenkodex. Er verpflichtet dazu, ein gegebenes Wort zu halten und jeden zu schützen, der um Hilfe bittet.
Befreiung 1944: das Ende des Zweiten Weltkriegs in Albanien
Bis zum Herbst 1944 setzte sich die Nationale Befreiungsarmee durch. Im Mai schuf der Kongress von Përmet die Organe der neuen Macht, im Oktober entstand in Berat die Provisorische Regierung, und am 17. November wurde Tirana befreit. Als offizielles Datum der Befreiung ganz Albaniens gilt der 29. November 1944.
Der Kongress von Përmet trat am 24. Mai 1944 zusammen. Er schuf den Antifaschistischen Nationalen Befreiungsrat als höchstes gesetzgebendes und ausführendes Organ sowie das Antifaschistische Komitee, das die Aufgaben einer provisorischen Regierung übernahm. An dessen Spitze stand Enver Hoxha, der zugleich zum Oberbefehlshaber der Armee gewählt wurde. Der Kongress verbot König Zogu die Rückkehr. Außerdem beschloss er, nach dem Krieg per Volksabstimmung über die Staatsform zu entscheiden, keine anderen Regierungen anzuerkennen und die früheren Verträge mit ausländischen Staaten zu überprüfen.
Nach der Juni-Operation rückte die 1. Stoßdivision nach Norden vor, um gegen die Kräfte des Balli, der Zogu-Anhänger und anderer Nationalisten zu kämpfen. Im September 1944 begann die letzte Phase: die Befreiung der Städte. Im Oktober wurde das Antifaschistische Komitee in Berat in die Provisorische Demokratische Regierung unter Enver Hoxha umgewandelt. Eine Versammlung verabschiedete dort die „Erklärung der Bürgerrechte“, die Rede-, Presse- und Wahlfreiheit sowie die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festschrieb.
Tirana wurde am 17. November 1944 nach fast dreiwöchigen Kämpfen befreit, bei denen auch die Einwohner der Stadt mithalfen. Mit der Befreiung von Shkodra am 29. November endete der Krieg in Albanien. Dieser Tag wird als Tag der Befreiung gefeiert. Laut Schulbuch standen die Albaner 15 feindlichen Divisionen gegenüber, und die Bevölkerung des Landes erlitt sehr schwere menschliche und materielle Verluste.
Kosovo und Çamëria im Krieg
Vor dem Krieg lebten die Albaner in Kosovo und in der Çamëria unter dem Druck der jugoslawischen und der griechischen Monarchie. Der Krieg verschob die Grenzen vorübergehend: 1941 wurde der größte Teil Kosovos unter italienischer Kontrolle an Albanien angeschlossen, und dort wurden Hunderte albanischer Schulen eröffnet.
Im September 1943, bereits unter deutscher Besatzung, wurde die Zweite Liga von Prizren gegründet, um die vereinten albanischen Gebiete zu erhalten. Zum Vorsitzenden wurde Bedri Pejani ernannt. Die antifaschistische Bewegung in Kosovo stand unter dem Einfluss der Kommunistischen Partei Jugoslawiens. Gegen die Albaner gingen zudem serbische Tschetniks vor. Die Konferenz von Bujan (31. Dezember 1943 bis 2. Januar 1944) bekundete unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht den Wunsch der Kosovo-Albaner, sich nach dem Krieg mit Albanien zu vereinigen. Dazu kam es nicht. Kosovo blieb als Provinz Serbiens Teil Jugoslawiens, und der Widerstand der Albaner wurde unter Kriegsrecht niedergeschlagen.
Im Süden vertrieben griechische Einheiten der EDES unter General Napoleon Zervas zwischen Juni 1944 und März 1945 die Çamen aus Griechenland. Am 27. Juni 1944 kam es zum Massaker von Paramythia.
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Häufige Fragen
Wann besetzte Italien Albanien?
Am 7. April 1939, also fünf Monate vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa. Italienische Truppen landeten gleichzeitig in Durrës, Vlora, Shëngjin und Saranda. Am 8. April marschierten sie in Tirana ein, und König Zogu floh nach Griechenland.
Was war der Balli Kombëtar?
Der Balli Kombëtar war eine nationalistische Bewegung, die Midhat Frashëri und Ali Këlcyra im Herbst 1942 gründeten. Sein Programm, der „Dekalog“, propagierte ein ethnisches, demokratisches Albanien. Der Versuch, sich im August 1943 in Mukje mit den Kommunisten zu verbünden, scheiterte.
Wie retteten Albaner Juden?
Sie weigerten sich, den Deutschen Listen der Juden auszuhändigen, versteckten Familien und besorgten ihnen falsche Papiere. Bei Kriegsende lebten in Albanien etwa 1800 Juden, vor dem Krieg waren es rund 200 gewesen. Das wird mit der besa („Ehrenwort“) in Verbindung gebracht, einem Ehrenkodex, der dazu verpflichtet, ein gegebenes Wort zu halten.
Wann wurde Albanien befreit?
Tirana wurde am 17. November 1944 befreit. Als offizielles Datum der Befreiung des ganzen Landes gilt der 29. November 1944, der Tag, an dem Shkodra befreit wurde. Er wird in Albanien als Tag der Befreiung gefeiert.
Was beschloss der Kongress von Përmet?
Der Kongress trat am 24. Mai 1944 zusammen. Er schuf den Antifaschistischen Nationalen Befreiungsrat und das Antifaschistische Komitee, das unter Enver Hoxha die Aufgaben einer provisorischen Regierung übernahm. Außerdem verbot er König Zogu die Rückkehr und überließ die Entscheidung über die Staatsform einer Volksabstimmung nach dem Krieg.


