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Albanien

Die Illyrer und das antike Albanien: Königreiche, Rom und Pyrrhos

Die Geschichte des antiken Albaniens ist die der Illyrer, Epiroten und griechischen Kolonien. Drei illyrische Königreiche entstanden, bis Rom sie 168 v. Chr. unterwarf.

13 Min. Lesezeit
Ruinen steinerner Mauern auf einem Hügel über einer ruhigen Bucht, dahinter Berge im warmen Dunst

Die antike Geschichte Albaniens ist die Geschichte der Illyrer, der Epiroten und der griechischen Kolonien an der Adria. In diesem Raum folgten drei illyrische Königreiche aufeinander. Daneben blühten der epirotische Staat des Pyrrhos und das Dardanische Königreich auf dem Gebiet des heutigen Kosovo. Bis 168 v. Chr. unterwarf Rom sie.

Dies ist das erste Kapitel unseres Wegweisers durch die Geschichte Albaniens. Es reicht von den ersten Lagerplätzen der Menschen bis zur römischen Eroberung und stellt die wichtigsten Namen und Daten vor.

Die Vorgeschichte

Menschen lebten in den albanischen Gebieten schon lange vor den Illyrern. Im Mittelpaläolithikum war hier der Neandertaler zu Hause, und die Höhle von Konispol im Süden des Landes bewahrt Spuren eines Lagerplatzes aus der Zeit um 24.700 v. Chr. Die Vorgeschichte endet mit dem Aufkommen der Schrift vor rund 5000 Jahren.

Eingang einer Kalksteinhöhle mit Lagerfeuer und Feuersteinwerkzeugen, Blick von innen
Höhlenlager gehören zu den frühesten Spuren des Menschen in den albanischen Gebieten.

Historiker unterteilen diese Zeit in Steinzeit und Metallzeit. Jede Periode hat in den albanischen Gebieten ihre eigenen Spuren hinterlassen.

PeriodeZeitWas neu hinzukam
Paläolithikumbis vor ~12.000 JahrenNeandertaler, später Lagerplätze, Höhlen, erste Kunst
Mesolithikumca. 10.000–6500 v. Chr.Neue Feuersteinwerkzeuge, Pfeil und Bogen, erste Versuche mit Ackerbau und Domestizierung von Tieren
Neolithikum6500–4000 v. Chr.Geschliffene Werkzeuge, feste Siedlungen, Ackerbau, Viehzucht, Keramik
Kupferzeit (Äneolithikum)4000–3000 v. Chr.Kupfer; Stein bleibt aber der wichtigste Werkstoff
Bronzezeit3000–1100 v. Chr.Siedlungen mit Mauern, Bestattungen unter Grabhügeln (tuma, Grabhügel)
Eisenzeit1100–500 v. Chr.Siedlungen auf Hügelkuppen, die illyrischen Stämme bilden sich heraus

Die wichtigste neolithische Kultur Südostalbaniens ist die Maliq-Kultur, benannt nach der Siedlung Maliq bei Korça. Zu ihr zählen auch die Fundorte Vashtëmi, Dunavec und Podgorie. Gesiedelt wurde im Freien, in Höhlen oder in Pfahlbauten.

Im Süden, in Epirus, lag Dodona, ein Heiligtum mit einem Orakel des Zeus. Herodot hielt es für das älteste der hellenischen Welt, und Strabon schrieb, die Pelasger hätten es gegründet.

Wer waren die Illyrer?

Die Illyrer waren indoeuropäische Stämme, die gegen Ende der Eisenzeit den Westen des Balkans bewohnten. Das albanische Geschichtsschulbuch sieht in ihnen die einheimische Bevölkerung der Region. Demnach formierten sie sich hier ab Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr., also in der Bronzezeit.

Zur Herkunft der Illyrer gibt es zwei Auffassungen. Die eine hält sie für Zuwanderer auf dem Westbalkan, die andere für eine einheimische Bevölkerung, die in einem langen Prozess entstand. Die albanische Geschichtswissenschaft vertritt die zweite. Der Name „Illyrer“ taucht zum ersten Mal um die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. bei Herodot auf.

Das illyrische Gebiet erstreckte sich von den Tälern der Save und der Drau im Norden bis zur Morava und zum Vardar im Osten und von der Adria und dem Ionischen Meer im Westen bis zum Akrokeraunischen Gebirge im Süden. Weiter südlich, bis zum Ambrakischen Golf, lebten die Epiroten.

Die wichtigsten Stämme

Es gab viele Stämme, und je nach Jahrhundert traten andere in den Vordergrund. Diese begegnen dir in Lehrbüchern am häufigsten:

  • Taulantier: in der Umgebung von Epidamnos (Durrës), zwischen den Tälern von Mat und Shkumbin

  • Ardiäer: rund um den Skutarisee, mit den Zentren Rhizon und Skodra (Shkodra)

  • Dardaner: auf dem Gebiet des heutigen Kosovo und in seiner Umgebung

  • Encheleer: am Ohridsee

  • Parthiner und Dassareten: die einen im Tal des Shkumbin, die anderen im Südosten Albaniens

  • Amantier: im Hinterland des Golfs von Vlora

  • Albaner: in der Gegend von Mat und Kruja

Als Erster erwähnte der Geograph Ptolemäus im 2. Jahrhundert n. Chr. die Albaner, zusammen mit ihrer Stadt Albanopolis. Sie wird bei Zgërdhesh in der Nähe von Kruja vermutet. Nach verbreiteter Auffassung leitet sich der Name „Albaner“ von diesem Stamm ab.

Die Stämme verband eine gemeinsame Kultur: Lebensweise, Kunst, Bräuche rund um Geburt, Hochzeit und Tod sowie ein reger Austausch untereinander.

Städte, Wirtschaft und Sprache der Illyrer

Die ersten illyrischen Städte entstanden Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. Man legte sie auf Hügelkuppen an und gliederte sie in Zonen: Wohnbereich, öffentlicher Bereich, Kultbereich, Handelsbereich und Verteidigungsanlagen. Voraus gingen den Städten ein entwickelter Ackerbau, Viehzucht, Handwerk und ein wachsender Handel.

An der Küste standen damals bereits griechische Kolonien. Die Korinther gründeten zuerst Korkyra (Korfu) und um 627 v. Chr. gemeinsam mit den Korkyräern Epidamnos, das später Dyrrhachion hieß, auf dem Land der Taulantier. Um 600 v. Chr. gründeten Korinther unter Führung von Gylax Apollonia bei Fier; anfangs hieß die Stadt Gylakeia. Bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. kam Orikos hinzu. Auch Illyrer gehörten zur Bevölkerung der Kolonien, denn diese entstanden auf Land, auf dem schon vorher Illyrer lebten.

Sprache. Das Illyrische war eine indoeuropäische Sprache, und seine Spuren haben sich im heutigen Albanisch erhalten. Illyrische Texte sind nicht überliefert, deshalb kennen wir Namen und Bezeichnungen nur in griechischer oder lateinischer Schreibung.

Religion. Die Illyrer verehrten die großen Götter der Antike, gaben ihnen aber lokale Züge. Eine besondere Rolle spielten Schlange und Sonne, außerdem gab es Mythen über Tiere und Naturerscheinungen.

Drei Königreiche in Illyrien

Die illyrische Staatlichkeit durchlief drei Phasen. Das erste Königreich entstand Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr., das zweite Ende des 4. Jahrhunderts. Das dritte mit der Hauptstadt Shkodra bestand bis 168 v. Chr., als Rom es zerschlug.

Neben den illyrischen Königreichen gab es in der Antike in diesen Gebieten und ihrer Nachbarschaft den epirotischen Staat, das Dardanische Königreich und die Stadtstaaten Dyrrhachion und Apollonia.

Das erste Königreich. Sein Zentrum lag im Land der Encheleer, und bis etwa 350 v. Chr. regierte es die Dynastie des Bardylis. Bardylis selbst gilt als der erste zweifelsfrei bekannte illyrische König. 358 v. Chr. besiegte ihn Philipp II. von Makedonien, der Vater Alexanders des Großen, was das Königreich schwächte.

Das zweite Königreich. Im letzten Viertel des 4. Jahrhunderts v. Chr. lebte das Königreich unter der Dynastie des Glaukias wieder auf, und sein Zentrum verlagerte sich zu den Taulantiern. Die Macht des Glaukias reichte bis Dyrrhachion und Apollonia. Er nahm den jungen Pyrrhos, den späteren König von Epirus, bei sich auf, zog ihn groß und setzte ihn noch als Kind auf den epirotischen Thron. Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. endete die Dynastie.

Das dritte Königreich. Das Zentrum wanderte nach Norden zu den Ardiäern und Labeaten, Hauptstadt wurde Skodra (Shkodra). Die bekanntesten Herrscher sind Pleuratos, Agron, Teuta und Genthios. 231 v. Chr. errang Agron bei der Stadt Medion einen aufsehenerregenden Sieg über die Ätoler, starb aber noch im selben Jahr. Seine Witwe Teuta übernahm die Herrschaft als Regentin für Agrons minderjährigen Sohn Pinnes.

Die Illyrisch-Römischen Kriege

Von 229 bis 168 v. Chr., also über 60 Jahre lang, führte Rom Krieg gegen die Illyrer. Dahinter standen Roms Ansprüche auf den Balkan. Es waren drei Kriege, und sie endeten mit dem Fall des letzten illyrischen Königreichs, das an Rom fiel.

Felsige Adriaküste mit Resten von Steinmauern auf einer Landspitze und einer winzigen Schiffssilhouette am Horizont
An der felsigen Adriaküste verliefen in der Antike die Seewege der Küstenstämme.

Der Erste Krieg (229–228 v. Chr.) brach aus, nachdem einer der Gesandten, die Rom zu Teuta geschickt hatte, getötet worden war. Im Frieden von 228 v. Chr. verpflichtete sich das Königreich, Rom Tribut zu zahlen, den größten Teil seiner Gebiete abzutreten und südlich von Lissos (Lezha) mit höchstens zwei Schiffen zu fahren, und auch das nur unbewaffnet. Teuta verlor die Macht, und zum starken Mann des Reiches wurde Demetrios von Pharos, ein Verbündeter Roms.

Der Zweite Krieg (219 v. Chr.) richtete sich gegen Demetrios selbst, der inzwischen eine von Rom unabhängige Politik verfolgte. Seine wichtigsten Festungen, Dimale und Pharos, fielen. Die Römer führte Lucius Aemilius Paullus an, und Demetrios floh zu Philipp V. von Makedonien.

Der Dritte Krieg brachte die Entscheidung. Genthios, der seit 181 v. Chr. regierte, verbündete sich mit dem makedonischen König Perseus gegen Rom. 168 v. Chr. schlug ihn der römische Feldherr Lucius Anicius Gallus bei Skodra, und im folgenden Jahr wurde Genthios als Gefangener nach Rom gebracht.

Warum unterlagen die Illyrer? Das Lehrbuch nennt drei Gründe: die romfreundliche Haltung von Dyrrhachion und Apollonia, den Verrat des Demetrios von Pharos und das fast doppelt so große römische Heer.

Nach 168 v. Chr. ordnete Rom die Verwaltung neu und setzte eine Agrarreform durch, bei der Kolonisten angesiedelt wurden. Manche illyrischen Städte wurden zerstört, andere erhielten den Status römischer Kolonien, und es entstanden auch neue. Von Dyrrhachion aus begann der Bau der Via Egnatia, der wichtigsten römischen Fernstraße auf dem Balkan, die Illyrien mit Makedonien und Thrakien verband.

Epirus und König Pyrrhos

Epirus ist eine historische Landschaft im Süden des heutigen Albaniens und im Nordwesten Griechenlands. Hier lebten drei Hauptstämme: die Chaonen im Nordwesten, die Molosser in der Mitte und die Thesproter im Süden. Seine Blütezeit erlebte der epirotische Staat unter König Pyrrhos (297–272 v. Chr.).

Epirus reichte vom Ambrakischen Golf im Süden bis zum Llogara-Pass und zum Tal der Vjosa im Norden und vom Pindos-Gebirge im Osten bis zum Ionischen Meer im Westen. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. waren Gitana und Phoinike (Finiq) die wichtigsten Städte.

Wie sich der Staat wandelte. Zuerst bestand hier das Molossische Königreich (König Tharyps und sein Sohn Alketas), dann der Molossische Bund unter Alexander dem Molosser. Dieser Alexander, ein Onkel Alexanders des Großen, fiel um 331 v. Chr. in Süditalien in der Schlacht bei Pandosia. Später entstand der Epirotische Bund, ein Bundesstaat. In den 230er-Jahren v. Chr. wurde die Monarchie in Epirus gestürzt, und der Bund wurde zur Republik.

Pyrrhos und der „Pyrrhussieg“

Unter Pyrrhos erstarkte Epirus: Der König festigte seine Macht, verfolgte eine unabhängige Außenpolitik und hatte militärisch wie wirtschaftlich Erfolg. 295 v. Chr. gründete er Antigoneia bei Gjirokastra und benannte es nach seiner ersten Frau Antigone.

Zu seinen Gegnern zählten Rom, Makedonien, Sparta, Argos und Karthago, gegen das er auf Sizilien kämpfte. 280 v. Chr. besiegte Pyrrhos die Römer bei Herakleia, danach bei Asculum, erlitt dabei aber so schwere Verluste, dass daraus der Ausdruck „Pyrrhussieg“ entstand: ein Erfolg, der teurer zu stehen kommt als eine Niederlage. Während Pyrrhos in Italien kämpfte, schlossen die Römer ein Abkommen mit den Karthagern. 275 v. Chr. unterlag er den Römern bei Benevent, 272 fiel er in Argos.

Epirus nahm ein bitteres Ende. 167 v. Chr. plünderte Lucius Aemilius Paullus 70 epirotische Städte und versklavte rund 150.000 Menschen, und Epirus kam unter römische Herrschaft.

Das Dardanische Königreich

Das Dardanische Königreich entstand im 4. Jahrhundert v. Chr., sein Zentrum lag auf dem Gebiet des heutigen Kosovo. Es war reich an Erzen und lag günstig zwischen den Mächten des Balkans. Auf seinem Höhepunkt reichte es im Norden bis Naissus (Niš) und im Süden bis zum Vardar.

Die wichtigsten Städte Dardaniens waren Damastion, Scupi (Skopje), Naissus und Ulpiana. An der Spitze stand ein König. Der antike Autor Agatharchides, zitiert bei Athenaios, schrieb, die Dardaner hätten viele Sklaven besessen, manche sogar tausend und mehr, die in Friedenszeiten das Land bestellten.

Um 280 v. Chr. bedrohte ein großer Kelteneinfall Dardanien. Unter den Königen sind Longaros, Bato und Monunios bekannt. 201 v. Chr. zog Bato an der Seite Roms gegen Philipp V. von Makedonien.

Das Bündnis mit Rom hielt nicht. Nach der römischen Eroberung Makedoniens schlug das Verhältnis in Krieg um; das Lehrbuch datiert dessen Beginn auf 76 v. Chr. 28 v. Chr. gliederte Marcus Licinius Crassus Dardanien ein. Es wurde Teil der römischen Provinz Moesia und Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. eine eigene Provinz. Aus Dardanien stammte der byzantinische Kaiser Justinian I.: Er kam um 482 in Tauresium unweit von Skopje zur Welt.

Antike Autoren über die Illyrer

Die Illyrer haben keine eigenen Texte hinterlassen, deshalb wird ihre Geschichte anhand griechischer und römischer Autoren und mithilfe der Archäologie rekonstruiert. Eine der ältesten Erwähnungen dieser Gebiete findet sich in Homers „Odyssee“, die die Thesproter in Epirus nennt.

Als wichtigste Quellen zu den illyrischen Stämmen gelten die „Geographika“ des Strabon (1. Jahrhundert v. Chr. bis 1. Jahrhundert n. Chr.) und das Werk des Ptolemäus (2. Jahrhundert n. Chr.), bei dem zum ersten Mal der Name „Albaner“ auftaucht. Herodot nannte, wie schon erwähnt, als Erster die Illyrer beim Namen und hinterließ einen Bericht über die Pelasger und Dodona.

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Häufige Fragen

Sind die Illyrer die Vorfahren der Albaner?

So sieht es die albanische Geschichtswissenschaft, und davon geht auch das Schulbuch aus. Im heutigen Albanisch finden sich Spuren des Illyrischen, und Ptolemäus verwendet den Namen „Albaner“ zum ersten Mal für einen der illyrischen Stämme. In der internationalen Forschung wird die Frage weiterhin diskutiert.

Wer war der letzte illyrische König?

Genthios, der ab 181 v. Chr. von seiner Hauptstadt Shkodra aus regierte. Er verbündete sich mit Makedonien gegen Rom, wurde 168 v. Chr. von Lucius Anicius Gallus geschlagen und später als Gefangener nach Rom gebracht.

Wer war Königin Teuta?

Die Witwe des Ardiäerkönigs Agron, die nach seinem Tod 231 v. Chr. als Regentin für den minderjährigen Sohn herrschte. In ihre Zeit fällt der Erste Illyrisch-Römische Krieg, nach dem Teuta die Macht verlor.

War Pyrrhos ein Illyrer?

Nein, Pyrrhos war König von Epirus und stammte aus dem Geschlecht der Molosser. Mit den Illyrern verbindet ihn seine Kindheit: Der Taulantierkönig Glaukias nahm ihn auf, zog ihn groß und setzte den Jungen auf den epirotischen Thron.

Was ist die Via Egnatia?

Eine römische Straße, die in Dyrrhachion (dem heutigen Durrës) begann und über den Balkan nach Makedonien und Thrakien führte. Gebaut wurde sie nach der römischen Eroberung, und sie wurde zur wichtigsten Landverbindung der Region.

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Quellen

  1. Britannica: Illyria
  2. Wikipedia: Illyrian Wars
  3. Wikipedia: Pyrrhus of Epirus
  4. Wikipedia: Kingdom of Dardania
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